Friday, September 29, 2006

RAUSCHEN

Zur Zeit gibt es auf meiner Festplatte etwa 30 angefangene Schriftdateien, die alle in der Möglichkeit und Unmöglichkeit der Zukunft darauf warten "veröffentlicht" zu werden. Naja, eigentlich ist die Veröffentlichung nicht der Schlüsselpunkt des Ganzen.
Es ist das Ende.

Die Tatsache, dass ich mir ein Stück vornehme und es zu einem Ende führe. Dies geschieht nicht.
Im Gegenteil: Wie bei einer Kernspaltung entstehen jeden Tag neue Teilchen, Ideen, Worte und Sätze. Aber sie beginnen nur und entstehen nicht wirklich.
Sie wachsen nicht aus.

Und ich sehne mich danach in mein Tagebuch zu schreiben. Warum gibt es noch kein Interface, dass den Anschein eines meiner normalen Tagebücher erweckt. Das, man behandeln kann wie ein Stück Papier. Der Text sollte dann automatisch in die Weiten des Äthers (was heißt das überhaupt. Nachschlagen!) gesandt werden. Sollte es?

Eigentlich habe ich, seitdem ich das Tagebuchschreiben vor einigen Jahren begann, immer daran gedacht, dass jemand dieses Buch und meine Gedanken finden wird. In meiner Vorstellung würde eine Person in unserem Garten stehen und das Buch, das es eventuell aus Schichten der Vorzeit herausgegraben hat, lesen.

Diese Vorstellung ist ziemlich dreist und vielleicht auch narzistisch. Vielleicht veräußert sie einen inneren Wunsch nach jemandem der zuhört, auch wenn dieser jemand, sich einige Generationen entfernt befindet. Vielleicht leiden wir einfach nur unter einem Aufmerksamkeitsentzug und Einsamkeit, oder unter Narzismus, der zu letzteren Ideen über die eigene Situation führt, und wollen uns jemand anderem mitteilen.

Und irgendwie zeigt sich in diesem Generationen umspannenden Akt ja auch eine Idee von Unendlichkeit. Vom Weiterleben einiger Ideen, nebensächlicher Gedanken, die so wichtig erscheinen, Vorstellungen von wunderschönen Männern, Obsessionen, Idole (über letztere Dinge habe ich viel, vielleicht zuviel in meine Bücher und in meinen Blog geschrieben.) oder Dinge, die man für wirklich wichtig hält und deshalb in der Welt verbreiten muss. Wir leben länger durch die Worte, die wir aus dem Sumpf und schönen Becken der Zeichen, die die Menschen bis heute erschaffen haben, wählen.

Andererseits könnte man fragen, warum wir in allen kläglichen Einzelheiten, diese Bedeutung des Ewigen, Un-endlichen suchen, dessen, was kein Ende kennt. Weil wir in unserem tiefsten Inneren das Wissen um die Endlichkeit aller D I N G E verleiht bekommen haben?

Jetzt habe ich das Gefühl das der Gedankengang etwas zuweit führt. Dennoch stimmt, dass es eine Verbindung zwischen dem Gedanken des Weiterlebens und der Speicherung von Wissen gibt und dem, was wir tun. Sei es, Internetblogs oder materiale Papierseiten, die wahrscheinlich sogar gebunden sind mit Worten, Gedanken ...... (siehe oben) zu füllen.

Vielleicht ist die Wahrscheinlichkeit, dass es diesen jemand, den Leser, gibt, beim Bloggen genau so hoch oder niedrig wie beim Verfassen eines normalen Tagebuchs.

Aber zurück zu den unfertigen Texten. Denn es gibt die Zeit, die in meinem Kopf zwar manchmal stehnzubleiben scheint aber im wirklichen Leben rasant vorran schreitet. Menschen werden älter, Ideen werden älter, Filme werden 25 Jahre alt (Raiders), Filme werden geplant, umgesetzt, kommen ins Kino. Und ich stehe daneben und der Zug der Dinge rauscht an mir vorbei. Aber ich will doch auch was dazu sagen.....:(

Der Schluss ist so scheiße, dass ich mir von nun an alle Peinlichkeiten erlauben kann.

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